Während offiziell von „überwiegend friedlich Feiernden“ die Rede ist, liest sich die Einsatzbilanz der Polizei Köln wie ein Protokoll aus einem Problemviertel. Wie die Polizei berichtet, mussten Beamte an Weiberfastnacht bis tief in die Nacht hinein ausrücken – wegen Vergewaltigung, Hammer-Angriff, Messerfunden und Dutzenden Gewahrsamnahmen.
Die Straßen leerten sich am Abend schneller als sonst – das Wetter trieb viele Jecken in die Kneipen. Doch auch dort blieb es keineswegs bei Schunkeln und Kölsch. 35 Personen landeten im Gewahrsam, 111 Platzverweise wurden ausgesprochen. Bei gezielten Kontrollen stellten Beamte sieben Messer sicher. Sieben! Mitten im Karneval.
Besonders brisant: Mehrere Anzeigen wegen sexueller Belästigung liegen vor. In einem Fall ermittelt die Kriminalpolizei wegen vollendeter Vergewaltigung. Ein Unbekannter soll gegen 23 Uhr auf der Toilette einer Kneipe in der Südstadt gegen den Willen einer Karnevalistin den Geschlechtsverkehr vollzogen haben. Die Ermittlungen laufen.
Am Zülpicher Platz endete eine „Auseinandersetzung“ mit schweren Gesichtsverletzungen – ein Schlag auf der Tanzfläche, Krankenhaus inklusive. Gegen 2.50 Uhr folgte der nächste Gewaltexzess: Ein 44-jähriger Wohnungsloser soll auf dem Hohenzollernring einen 22-Jährigen mit einem Hammer angegriffen haben. Der Karnevalist erlitt Kopfverletzungen.
Schon am Nachmittag war klar, dass der Ausnahmezustand nicht nur ein Gefühl ist. In einer ersten Meldung hatte die Polizei von weniger Feiernden, aber zunehmenden Einsätzen mit fortschreitender Alkoholisierung gesprochen. Dort ist auch von Ermittlungen wegen sexueller Belästigung, Körperverletzung – und sogar einer mutmaßlichen Vergewaltigung unter Männern – die Rede. Zudem wurde ein Polizist durch einen Kopfstoß so schwer verletzt, dass er nicht mehr dienstfähig war.
Offiziell heißt es, eine abschließende Bilanz gebe es erst eine Woche nach Aschermittwoch. Doch schon jetzt zeigt sich: Karneval in Köln bedeutet längst nicht mehr nur Konfetti und Kamelle, sondern auch Polizeigewahrsam, Gewalt und sexuelle Übergriffe.



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