Fast jeder fünfte befragte Kleinbetrieb sieht seinen Fortbestand gefährdet, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht grundlegend ändern. Das zeigt das am Dienstag veröffentlichte Stimmungsbarometer von VR Smart Finanz und dem Steinbeis-Institut. Hinter der nüchternen Prozentzahl stehen Selbstständige, Familienbetriebe und kleine Arbeitgeber, denen Steuern, Bürokratie, Energiekosten und fehlende Planungssicherheit die Luft abschnüren.
Die Umfrage erfasst 300 Geschäftskunden, Gewerbekunden, Soloselbstständige und Unternehmen des kleineren Mittelstands mit bis zu sechs Millionen Euro Jahresumsatz. Befragt wurde vom 1. bis 14. April 2026. Die Stichprobe ist damit kein vollständiges Abbild der deutschen Wirtschaft, ihre Ergebnisse sind aber eindeutig: Die Stimmung ist gegenüber Herbst 2025 gekippt, der Zukunftsindikator brach um 19 Punkte auf 11 ein.
Nur noch 44 Prozent bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut. 53 Prozent berichten von Liquiditätsengpässen im vergangenen Jahr. Mehr als jeder dritte Betrieb hat Schwierigkeiten, neue Kunden zu gewinnen, gut jeder vierte leidet unter schlechter Zahlungsmoral. Gleichzeitig nennen 32 Prozent aufwendige Dokumentationspflichten als große Belastung. Während in politischen Sonntagsreden vom Rückgrat der Wirtschaft die Rede ist, wird dieses Rückgrat im Alltag mit Formularen, Abgaben und steigenden Kosten belastet.
Besonders gefährlich ist der Investitionsstau. Obwohl 61 Prozent einen hohen Investitionsbedarf sehen, konnten nur 47 Prozent ihre Vorhaben wie geplant umsetzen. 42 Prozent haben Investitionen verschoben oder vollständig abgesagt. Als Gründe nennen die Betriebe fehlendes Eigenkapital, hohe Kosten und die unsichere wirtschaftliche Entwicklung. Damit wird aus der heutigen Belastung die Wachstumsschwäche von morgen.
Der Wille zur Modernisierung wäre vorhanden. Rund vier von fünf Betrieben planen in den kommenden Jahren Ausgaben für Geschäftsausstattung, Digitalisierung oder Automatisierung. Investitionen in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz verlieren dagegen an Bedeutung. Das ist kaum überraschend: Wer um Liquidität und Aufträge kämpft, kann politische Wunschlisten nicht zur obersten Unternehmensaufgabe machen.
Auch steuerliche Einzelmaßnahmen lösen das Grundproblem nicht. Die degressive Abschreibung habe zwar bei knapp 40 Prozent der getätigten Ausgaben für Geschäftsausstattung eine Rolle gespielt. Doch eine Abschreibung hilft nur, wenn ein Betrieb überhaupt noch Geld zum Investieren und ausreichend Gewinn zum Abschreiben hat. Förderkulissen ersetzen keine tragfähigen Standortbedingungen.
Die Unternehmen verlangen geringere Steuern und Abgaben, weniger Bürokratie und niedrigere Energiekosten. Rund 55 Prozent bewerten die Politik bei Steuerbelastung und Bürokratieabbau als unzureichend, 53 Prozent vergeben schlechte Noten für Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise. Die über Presseportal verbreitete Mitteilung spricht zu Recht von einem Alarmsignal.
Deutschland fehlt es nicht an Unternehmern, Ideen oder Investitionsbedarf. Es fehlt an einer Politik, die kleine Betriebe arbeiten lässt, statt ihre Substanz zu verzehren. Wenn fast jeder fünfte befragte Unternehmer bereits um den Fortbestand bangt, ist das kein vorübergehendes Stimmungstief. Es ist die Rechnung für jahrelangen Reformstau, die nun ausgerechnet jene bezahlen sollen, die Arbeitsplätze schaffen und vor Ort Verantwortung tragen.


