Die Kettensägen laufen, die Klage läuft auch – nur ein Baustopp läuft nicht. Im Teutoburger Wald bei Detmold werden derzeit Wälder gerodet, um Platz für sieben Windkraftanlagen auf der Gauseköte zu schaffen. Bis zu 256 Meter hoch sollen die Stahlkolossen werden – das Hermannsdenkmal misst gerade einmal 56 Meter. Vollendete Tatsachen auf Kosten von Natur, Geschichte und demokratischen Beschlüssen, wie die Lippische Wochenzeitung berichtet.
Projektgegner kritisieren, dass teilweise gesunder, über zehn Meter hoher Aufwuchs aus Laub- und Fichtenwald sowie standortgerechte Naturverjüngung großflächig vernichtet worden ist – obwohl anhängige Klagen gegen das Windkraftprojekt noch gar nicht entschieden wurden. Das Unternehmen „Westfalen-Wind“, das auf dem Land des Hauses zur Lippe baut, spricht verharmlosend von „ersten bauvorbereitenden Maßnahmen“ und verspricht, alle gerodeten Flächen würden anderswo „mindestens gleichwertig“ aufgeforstet. Kein Wald gehe verloren, so Unternehmenssprecherin Sonya Harrisson. Wer’s glaubt.
Ein Gericht hat entschieden, dass die laufenden Verfahren keine aufschiebende Wirkung haben. Damit können die Bauarbeiten fortgesetzt werden, solange kein Baustopp verhängt wird. Ein Richter des Oberverwaltungsgerichts Münster hatte bereits im März 2025 den Weg für das Projekt freigemacht – gegen den erklärten Willen von Regionalrat, Bezirksregierung und Kreis Lippe.
Der Regionalrat Detmold hatte exakt ein Jahr zuvor einen neuen Regionalplan beschlossen, der Windkraftanlagen im Wald grundsätzlich ausschließt und 14.090 Hektar Windenergieflächen ausgewiesen hatte. Die jetzt gerodeten Flächen auf der Gauseköte liegen außerhalb dieser ausgewiesenen Bereiche. Demokratisch gefasste Beschlüsse – schlicht übergangen.
Die Aufstellbereiche liegen direkt neben Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten und Vogelschutzgebieten. Auch wenn die Anlagen auf Freiflächen stehen sollen, muss für Erschließungswege ökologisch wertvoller Wald gerodet werden. Der Wald auf dem Mittelgebirgshöhenzug würde durch ein Netz aus Zufahrten und pro Windrad jeweils knapp fußballfeldgroßen Lichtungen durchlöchert – mit dauerhaft mehr Hitzestress, mehr Angriffsfläche für Stürme und verminderter Wasserspeicherfähigkeit.
Zacharias Schalley, umweltpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion NRW, findet klare Worte: „Hermann der Cherusker behauptete sich gegen die Römer, er darf jetzt nicht Windrädern unterliegen. Die schwarz-grüne Landesregierung unter Hendrik Wüst lässt tatenlos zu, dass unser kulturelles Erbe und die einzigartige Natur des Teutoburger Waldes für ideologische Klimaziele und Profitgier geopfert werden.“ Die CDU habe mit halbherzigem Protest nur bewiesen, dass auf sie kein Verlass sei. Gefordert wird ein sofortiger Baustopp und eine Überprüfung der Genehmigung durch den Kreis Lippe.
Fast 13.000 Menschen haben inzwischen eine Petition unterzeichnet, die den Stopp aller Planungen für insgesamt 33 geplante Windkraftanlagen im Wald zwischen Velmerstot und Gauseköte fordert. Auch BUND, NABU und der Lippische Heimatbund klagen gegen das Projekt. Die Sägen laufen trotzdem weiter.
Quellen:
Dieser Artikel wurde zuerst auf F-NEWS veröffentlicht.
Zweitveröffentlichung ist bei Verlinkung zur Originalquelle in unveränderter Form gestattet. Originalquelle: https://f-news.net/hermann-gegen-stahlriesen-rodungen-im-teutoburger-wald-laufen-trotz-laufender-klage/