Die Europäische Zentralbank steuert offenbar auf eine neue Zinserhöhung zu. Wie Reuters berichtet, rechnen Märkte und Beobachter mit einem Schritt um 0,25 Prozentpunkte. Die Begründung: wieder steigender Inflationsdruck, höhere Energiepreise und die Sorge, dass die Teuerung im Euroraum nicht dauerhaft unter Kontrolle ist.
Damit würde die EZB den Leitzins erneut anheben, obwohl die Konjunktur in Teilen Europas schwach bleibt. Auch Handelsblatt und Le Monde verweisen auf den wachsenden Druck auf die Notenbank. Für Verbraucher, Bauherren und Unternehmen heißt das: Kredite bleiben teuer oder werden noch teurer.
Offiziell klingt das nach geldpolitischer Disziplin. Wenn die Preise steigen, muss die Notenbank gegenhalten. Doch der deutsche Sonderfall ist damit nicht gelöst. Deutschland steckt nicht nur in einem Zinsproblem, sondern in einer Standortkrise: hohe Energiepreise, Bürokratie, Abgabenlast, schwache Investitionen, teure Transformation, unsichere Industriepolitik.
Eine Zinserhöhung kann importierte Inflation dämpfen, aber sie baut keine Fabrik, senkt keinen Strompreis und holt keine abgewanderten Industriejobs zurück. Sie trifft vielmehr jene Bereiche, die ohnehin unter Druck stehen: Mittelstand, Bauwirtschaft, Maschinenbau, Projektfinanzierungen und private Investitionen. Teureres Geld ist kein Wachstumspaket.
Für die Bundesregierung ist das unbequem. Sie kann die wirtschaftliche Schwäche nicht mehr allein auf äußere Schocks schieben, wenn gleichzeitig die EZB die Finanzierungsbedingungen verschärft. Wer Deutschland mit Klimavorgaben, Energiepolitik und Bürokratie verteuert, darf sich nicht wundern, wenn höhere Zinsen den letzten Rest Investitionslust aus dem Markt drücken.
Die EZB steht dabei vor einem klassischen Dilemma: Lässt sie die Inflation laufen, verlieren Bürger Kaufkraft. Hebt sie die Zinsen, wird die ohnehin schwache Wirtschaft weiter gebremst. Genau dieses Dilemma zeigt, wie teuer die Jahre billigen Geldes und politisch erzeugter Fehlsteuerung geworden sind.
Für Deutschland bleibt die bittere Pointe: Auch dieser Zinsschritt wird die Wirtschaft nicht aus dem Tief holen. Er kann höchstens Symptome bekämpfen, während die Ursachen in Berlin und Brüssel liegen. Solange Energie, Bürokratie, Steuern und Regulierung den Standort strangulieren, bleibt jede EZB-Entscheidung nur ein Pflaster auf einer industriellen Wunde.






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