Deutschland im Krieg: Bitte ziehen Sie im Regenbogenbunker die Schuhe aus

Karikatur eines bunten deutschen Krisenbunkers mit Schuhen vor der Tür
Regenbogenbunker / Karikatur

Deutschland bereitet sich auf den Ernstfall vor. Nicht mit Munition, Ersatzteilen oder funktionierenden Funkgeräten, das wäre ja plump militaristisch. Nein, dieses Land geht den nächsten Krieg an, wie es auch Flughäfen, Schulen, Heizungen und Ausländerbehörden zum absoluten Gefrierpunkt organisiert: mit Leitfäden, Arbeitskreisen, Sensibilisierungstrainings und einer Hausordnung, die länger ist als die Reichweite der Bundeswehr.

Der neue deutsche Schutzraum ist kein Bunker. Das klingt nach Beton, Stahl und Zumutung. Er heißt künftig „Resilienzraum für vielfältige Krisenerfahrungen“. Am Eingang hängt ein Schild: „Willkommen. Bitte Schuhe ausziehen, Privilegien reflektieren, keine toxische Panik.“ Daneben ein laminiertes Formular zur Selbstauskunft: Name, Pronomen, Allergien, Fluchterfahrung, Triggerwarnbedarf, Haltung zur NATO in 240 Zeichen.

Während draußen die Sirenen heulen, erklärt im Inneren eine kommunale Krisenbeauftragte, daß Angst völlig valide sei, aber bitte nicht in einer Weise geäußert werden dürfe, die andere Menschen verunsichert. Wer schreit, bekommt keine Ohrfeige, sondern einen Moderationsball. Wer fragt, ob es Wasser gibt, wird auf den QR-Code zur digitalen Trinkwassergerechtigkeitsplattform verwiesen. Leider funktioniert das WLAN nicht, weil der Provider gerade wegen Datenschutzbedenken den Notfallrouter deaktiviert hat.

Die Toilettenfrage ist selbstverständlich geklärt. Nicht durch Abwassertechnik, sondern durch ein 87-seitiges Nutzungskonzept. Es gibt eine gendergerechte Toilette, eine diskriminierungssensible Toilette, eine Toilette für Menschen mit Toilettenskepsis und einen Reflexionsraum für Personen, die Toiletten als koloniales Konstrukt empfinden. Papier fehlt, aber das ist dafür sozial gerecht verteilt: Es fehlt überall.

In der Ecke sitzt der örtliche Katastrophenschutz und wartet auf Batterien. Die wurden bestellt, aber wegen einer EU-Ausschreibung erst nach Ende des Verteidigungsfalls geliefert. Dafür gibt es 400 Warnwesten in Regenbogenfarben, beschafft aus einem Sondertopf gegen rechte Krisennarrative. Auf der Rückseite steht: „Nie wieder ist jetzt“, was im Ernstfall immerhin hilft, wenn man von hinten überfahren wird.

Auch die Bundeswehr ist vorbereitet. Ein Offizier erscheint per Videokonferenz, weil der Dienstwagen in der Werkstatt steht und der Zug ausfällt. Er erklärt, daß Deutschland natürlich verteidigungsfähig sei, sobald die fehlenden Helme, Drohnen, Funkgeräte, Raketen, Ersatzteile, Soldaten, Kasernen und Entscheidungswege nachgeliefert würden. Bis dahin empfehle man Ruhe, Zusammenhalt und eine positive Grundhaltung.

Die Bevölkerung zeigt sich solidarisch. Eine Gruppe bildet sofort einen Arbeitskreis „Fluchtkorridor ohne Ausgrenzung“. Eine andere diskutiert, ob Sandsäcke nicht stigmatisierend gegenüber leichten Baustoffen seien. Der Bürgermeister versichert, die Lage sei unter Kontrolle, jedenfalls kommunikativ. Man habe bereits eine Taskforce, eine Untertaskforce und eine interministerielle Lenkungsrunde eingesetzt. Erste Ergebnisse seien nach einer Evaluierungsphase im dritten Quartal zu erwarten, sofern dann noch jemand da ist.

Natürlich ist auch für Ernährung gesorgt. Es gibt Notrationen, allerdings nur vegan, glutenfrei, klimaneutral und portionsweise moralisch aufgeladen. Wer nach Wurst fragt, wird an die Meldestelle für rückwärtsgewandte Krisenbewältigung verwiesen. Fleisch im Bunker könnte falsche Signale senden, vor allem an den Feind. Der soll ja nicht denken, Deutschland habe noch Instinkte.

Das Beste aber ist die psychologische Betreuung. Während draußen die Welt brennt, erklärt ein Krisencoach, daß Krieg vor allem ein Kommunikationsproblem sei. Man müsse den Gegner mitnehmen, seine Perspektive hören, vielleicht einen Stuhlkreis anbieten. Es sei wichtig, Eskalation nicht durch harte Begriffe wie „Feind“ zu reproduzieren. Man spreche besser von „externen Konfliktteilnehmenden mit destruktivem Handlungsimpuls“.

So sieht die deutsche Verteidigungsdoktrin des 21. Jahrhunderts aus: Wenn der Ernstfall kommt, wird nicht geschossen, sondern moderiert. Nicht verteidigt, sondern begleitet. Nicht gehandelt, sondern eingeordnet. Der Bunker ist bunt, die Toiletten sind korrekt beschildert, die Schuhe stehen ordentlich vor der Tür.

Und wenn dann tatsächlich jemand eintritt, der keine Rücksicht auf Pronomen, Beteiligungsformate und Hausordnung nimmt, bleibt Deutschland immer noch seine stärkste Waffe: ein dreifaches „We shall overcome“…

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