Während am Persischen Golf die geopolitischen Spannungen zunehmen, kennt der Bitcoin derzeit nur eine Richtung: nach oben. Die angespannte Lage rund um den Iran, gepaart mit wachsender Nervosität an den globalen Finanzmärkten, treibt Anleger offenbar in alternative Anlageklassen. Auf der Handelsplattform Bitstamp kletterte der Kurs der ältesten Kryptowährung zuletzt bis auf rund 95.700 US-Dollar – rund 1.000 Dollar mehr als noch am Vorabend.

Bereits in der Nacht zum Dienstag hatte ein kurzer, aber heftiger Kursschub den Bitcoin zeitweise über die Marke von 96.000 Dollar gehievt. Damit erreichte der Kurs den höchsten Stand seit Mitte November. Ein technisches Signal ist das nur bedingt – psychologisch hingegen durchaus relevant. Denn die Nähe zum Allzeithoch rückt wieder in greifbare Nähe.

Der Hintergrund ist weniger Krypto-intern als vielmehr geopolitisch: Die Eskalationsgefahr im Nahen Osten, insbesondere rund um den Iran und strategisch wichtige Handelsrouten im Persischen Golf, sorgt für Unruhe. Klassische „sichere Häfen“ wie Gold profitieren davon – und zunehmend auch Bitcoin. Das Narrativ vom „digitalen Gold“ wird in solchen Phasen gerne wieder ausgepackt, auch wenn es in ruhigen Marktphasen schnell vergessen wird.

Auffällig ist: Während Aktienmärkte zögern und Anleihen kaum Rendite bieten, scheint Bitcoin erneut als Absicherungsinstrument entdeckt zu werden – zumindest kurzfristig. Institutionelle Investoren halten sich zwar offiziell zurück, doch die steigende Nachfrage spricht eine andere Sprache. Gerade in Zeiten, in denen politische Risiken kaum kalkulierbar sind und Zentralbanken weiter im geldpolitischen Nebel stochern, wirkt ein begrenztes, staatlich unabhängiges Asset plötzlich wieder attraktiv.

Ob der aktuelle Anstieg nachhaltig ist, bleibt offen. Klar ist jedoch: Bitcoin reagiert zunehmend sensibel auf geopolitische Schocks – und genau das könnte ihn langfristig etablieren. Ironisch eigentlich: Ausgerechnet globale Krisen liefern der Kryptowährung jene Daseinsberechtigung, die Kritiker ihr seit Jahren absprechen.

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