Die Bundesregierung vermeldet stolz Fortschritte beim Rückbau der deutschen Atomkraftwerke – und bestätigt zugleich: Es liegen mittlerweile 17,6 Milliarden Euro an Rückstellungen bereit, um Stilllegung, Abbau und die Verpackung radioaktiver Abfälle zu finanzieren. Das geht aus einer neuen Unterrichtung nach §7 des Transparenzgesetzes hervor, veröffentlicht im hib-Bericht 683/2025.

Während Deutschland unter Energieknappheit und steigenden Strompreisen leidet, laufen die Abbauprogramme für einstige Hochleistungsreaktoren wie am Schnürchen. Für den Nach- und Restbetrieb sind 7,2 Milliarden Euro eingeplant, weitere 4,6 Milliarden Euro sollen für die eigentlichen Abbauarbeiten fließen. Die teuerste Position bleibt mit 5,9 Milliarden Euro die Bearbeitung und Verpackung der radioaktiven Stoffe – ein Aufwand, der jahrzehntelang nachwirkt, während die Anlagen längst vom Netz sind.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) prüfte die Finanzlage der Betreiber – und fand erwartungsgemäß nichts zu beanstanden. Keine Zweifel, keine Warnungen, keine Hinweise darauf, dass die milliardenschweren Verpflichtungen Probleme bereiten könnten. Kritiker dürfte das kaum beruhigen: Die Frage, ob Rückstellungen langfristig reichen und wie sich Risiken, Preissteigerungen oder Genehmigungsverfahren entwickeln, spielt im politischen Raum kaum noch eine Rolle.

Deutschland hat seine letzten Kernkraftwerke am 15. April 2023 abgeschaltet. Seitdem befinden sich alle 23 Anlagen im Rückbau. Die Betreiber müssen jährlich berichten, wie weit sie sind und ob das Geld reicht. Was in der Unterrichtung des Bundestags kaum erwähnt wird: Die Energielage des Landes hat sich seit dem Atomausstieg nicht verbessert – im Gegenteil. Während andere Staaten neue Reaktoren planen, konzentriert sich Deutschland auf das Demontieren und Verpacken.

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