Liegt ein Angriff in der Luft? Die „Volksrepublik“ China betrachtet seit 80 Jahren Taiwan als abtrünnige Provinz. Militärmanöver um die Insel erschrecken die ganze Welt, die Folgen eines Krieges wären katastrophal.
China spielt Schach auf Meisterklasse-Niveau. Und der Westen würfelt Mensch ärgere dich nicht, manchmal auch Halma. Wir sind vor der eigenen Haustüre beschäftigt und sehen das größere Bild nicht. Dabei ist ein Blick auf wirtschaftliche Vorgänge so aufschlussreich.
Eisenerz für China und keine Chips für die Welt
China sichert sich Rohstoffe für den Ernstfall. Für China ist Eisenerz das, was Sauerstoff für den Hochofen ist. Ohne Eisen kein Stahl. Und ohne Stahl keine Panzer, keine Raketen, keine Schiffe, aber auch keine Autos, keine Hochhäuser, keine Messer und Gabeln. Noch bezieht China den Großteil seines Eisenerzes aus Australien, einem Land der westlichen Welt, militärisch eng mit den USA verbunden.
Australien ist bequem, aber im Ernstfall brandgefährlich.
Denn Australien könnte den Hahn zudrehen. Ein politischer Wink aus Washington würde genügen, und chinesische Frachter blieben leer. Ohne Eisen keine Rüstung, ohne Rüstung keine militärische Handlungsfähigkeit. Dieses Risiko ist Peking seit Jahren bewusst.
Also blickte China dorthin, wo der Westen kaum hinsah: nach Westafrika.
Eisenerz aus Afrika
Guinea ist ein armes Land an der Atlantikküste Afrikas. Politisch instabil, wirtschaftlich abhängig und strategisch lange unterschätzt. Gerade deshalb ist China dort engagiert. Im Südosten Guineas liegt Simandou, eines der größten unerschlossenen Eisenerzvorkommen der Welt. China investierte Milliarden in dieses Projekt. In die Minen selbst, in eine neue Eisenbahnlinie quer durchs Land und in einen eigens errichteten Hafen an der Küste, rund 600 Kilometer vom Abbaugebiet entfernt. Von dort wird das Erz per Schiff nach China transportiert. Keine Anlegestelle für lustige Kreuzfahrtschiffe.
China rechnet mit Sanktionen und sorgt vor.
Eisenerz aus Simandou ersetzt Australien nicht vollständig. Aber es sorgt dafür, dass China im Krisenfall weniger erpressbar ist. Die Lieferungen sind langsamer und teurer, politisch jedoch deutlich schwerer zu unterbinden. Wer so plant, rechnet mit Sanktionen. Und mit Krieg.
Taiwan ist keine Kavallerie-Aktion
Taiwan lässt sich nicht „mal eben“ einnehmen. Auch nicht mit hunderten Schiffen und auch nicht über Nacht, ganz sicher nicht so, wie Peer Steinbrück einst scherzhaft andeutete, man könne die Schweiz mit der Kavallerie besetzen.
Ein Krieg um Taiwan wäre kein regionales Abenteuer, sondern ein globaler Schock. Millionen Tote wären möglich, hochsensible Chipfabriken würden zerstört, weltweite Lieferketten reißen. Die Weltwirtschaft stürzte ins Chaos.
S-Klasse ohne Zündkerzen
Über 90 Prozent der modernsten Computerchips stammen von dort. Fielen diese Lieferungen aus, stünde die Weltwirtschaft still, wie eine 150.000 Euro S-Klasse ohne 8 Zündkerzen zu 100 Euro. China sichert sich Eisenerz. Der Westen hängt an Chips. Das erklärt, warum Taiwan nicht irgendeine Insel ist, sondern der empfindlichste Nerv der globalen Wirtschaft.
Die süße Ananas
Seit fast 80 Jahren ist Taiwan, früher Formosa genannt, vom chinesischen Festland getrennt. Die Insel ist etwa so groß wie Baden-Württemberg, hat rund 23 Millionen Einwohner und ist Weltmarktführer bei Hochleistungschips.



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