Berlin-Grunewald. Was wie eine Szene aus einem Actionfilm klingt, ereignete sich am Donnerstagnachmittag mitten in einem der nobelsten Berliner Bezirke: Zwei betrunkene Männer randalierten auf offener Straße, schossen mit einer Schreckschusswaffe um sich, lieferten sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei – und feuerten dabei gezielt auf die verfolgenden Beamten. Nach einem Unfall flohen sie in den Keller eines Mehrfamilienhauses, wo sie schließlich überwältigt und festgenommen wurden. Eine Polizistin wurde bei dem dramatischen Zugriff leicht verletzt.

Die Täter: ein 35-Jähriger und ein 44-Jähriger. Beide alkoholisiert, beide bewaffnet – und beide wieder auf freiem Fuß, nur kurze Zeit nach ihrer Festnahme. Keine Untersuchungshaft, kein Haftbefehl. Stattdessen offene Kritik der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Berlin, die den Vorfall als weiteren Beleg für eine verfehlte Justizpolitik sieht.

„Das erschüttert viele Polizisten“

Der stellvertretende Landesvorsitzende der DPolG Berlin, Frank Teichert, ließ in mehreren Statements keinen Zweifel an seiner Empörung: „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden beschossen, nehmen unter hohem Risiko zwei Täter fest – und kurze Zeit später stehen diese wieder auf freiem Fuß. Das erschüttert viele Polizisten.“

Teichert forderte explizit Transparenz von den Haftrichtern: „Die Begründung des Haftrichters möchte ich sehen. Wenn nach Schüssen auf Polizisten keine Untersuchungshaft verhängt wird, gehört das sehr gut erklärt. Das ist weder für Einsatzkräfte noch für den normalen Bürger nachvollziehbar.“ Die DPolG Berlin betonte zudem, dass Gewalt – insbesondere gegen Polizeibeamte – kein Bagatelldelikt sei und konsequent verfolgt werden müsse. Die schnelle Freilassung der Tatverdächtigen untergrabe das Vertrauen in die Strafverfolgung und gefährde langfristig die Sicherheit der Einsatzkräfte.

Filmreife Szenen in Grunewald

Der Ablauf liest sich wie ein Drehbuch: Gegen 17 Uhr alarmierten Zeugen die Polizei, weil zwei Männer in der Fontanestraße / Ecke Hagenstraße randalierten und einer von ihnen eine Schusswaffe sichtbar trug. Als die Beamten eintrafen, stiegen die Männer in ein Auto und eröffneten das Feuer – zunächst wahllos, dann gezielt in Richtung der verfolgenden Zivilpolizisten.

Bei der anschließenden Verfolgungsjagd krachte das Fluchtfahrzeug gegen einen Laternenmast. Die beiden flohen zu Fuß weiter, stürmten in ein Wohnhaus und verschanzten sich im Keller. Dort stellten Spezialkräfte sie und nahmen sie fest.

Eine Beamtin wurde bei dem Widerstand leicht verletzt. Die Waffe? Eine Schreckschusspistole – umgewandelt oder so modifiziert, dass sie gefährlich wirkte und gezielt eingesetzt wurde.

Justiz vs. Einsatzkräfte – alter Konflikt neu entfacht

Der Vorfall reiht sich ein in eine lange Liste von Fällen, in denen Polizeigewerkschaften die Berliner Justiz kritisieren: Zu milde Haftentscheidungen, zu schnelle Entlassungen, zu wenig Konsequenzen bei Angriffen auf Beamte.

Die DPolG spricht von einem „Vertrauensverlust“, der sich nicht nur bei Polizisten, sondern auch bei der Bevölkerung breit macht. Während die einen die Entscheidung der Haftrichter als rechtsstaatlich korrekt verteidigen dürften (Fluchtgefahr und Wiederholungsgefahr müssen konkret begründet werden), sehen andere darin ein Signal an Gewalttäter: „Schieß ruhig auf Polizisten – du kommst eh schnell wieder raus.“

Interessanter als das Gejammer der Polizeigewerkschaft sind die Antworten der X-Nutzer. Hier eine kleine Auswahl, die die Tendenz widerspiegelt.

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