Laut einem Beitrag bei Global Research ist eine zentrale “Entwarnungs”-Studie zu Monsantos Unkrautvernichter Roundup nachträglich zurückgezogen worden – und zwar wegen schwerer ethischer Bedenken und Hinweisen auf verdeckte Einflussnahme.
Es geht um eine vielzitierte Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2000 im Fachjournal Regulatory Toxicology and Pharmacology, die Glyphosat und Roundup praktisch einen Persilschein ausstellte: kein nennenswertes Krebsrisiko, keine Fortpflanzungsgefahr, keine relevanten Schäden – so lautete die Botschaft. Der Trick: Die Autoren wirkten nach außen wie unabhängige Wissenschaftler. Keine Monsanto-Namen auf dem Papier, dafür umso mehr Wirkung bei Behörden, Lobbygruppen und in der Fachliteratur.
Was nun ans Licht gezogen wird, passt ins Muster “Wissenschaft als Marketing”: Interne Monsanto-Dokumente, die in US-Krebsprozessen öffentlich wurden, sollen nahelegen, dass Konzernmitarbeiter an zentralen Teilen des Papers mitgearbeitet haben – inklusive Textentwürfen, Argumentationslinien und Abstimmungen mit den namentlich genannten Autoren. Besonders brisant ist laut Bericht eine E-Mail aus 2015, in der ein Monsanto-Wissenschaftler das Vorgehen sinngemäß als Blaupause beschreibt: Man könne intern schreiben und externe Akademiker fürs “Drüberlesen” bezahlen – mit deren Namen als Schutzschild. Unabhängigkeit auf dem Deckblatt, Konzernhand im Maschinenraum.
Der Chefredakteur des Journals, Martin van den Berg, begründet die späte Reißleine laut Artikel mit massiven Problemen: unklare Verantwortlichkeit, falsche Darstellung von Beiträgen, mögliche Interessenkonflikte – und ein weiteres Kernproblem, das wie ein Alarmsignal wirkt: Die Aussagen zur Krebsgefahr hätten sich demnach stark auf unveröffentlichte Monsanto-Studien gestützt, während andere veröffentlichte Forschung, die Warnzeichen zeigte, nicht angemessen berücksichtigt worden sei. Wer so auswählt, bekommt am Ende genau das Ergebnis, das der Auftraggeber braucht.
Dass die Korrektur erst 25 Jahre später kommt, ist der eigentliche Skandal. Denn in dieser Zeit wurde der Text weltweit als “Beleg” herumgereicht, als Referenz in Debatten, als Baustein in Regulierungsprozessen. Was einmal als seriöse Übersichtsarbeit gilt, wird schnell zur Autorität – und wer diese Autorität baut, kontrolliert die politische Realität gleich mit.
Parallel bleibt der Grundkonflikt bestehen: 2015 stufte die Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) Glyphosat als “wahrscheinlich krebserregend” ein – eine Einschätzung, die von Herstellern und Teilen der Behörden regelmäßig bekämpft oder relativiert wird. Währenddessen ist Glyphosat längst Massenware: auf Feldern, in Parks, an Straßenrändern, in Gärten. Wenn bei so einem Stoff die “Sicherheitswissenschaft” nicht sauber ist, reden wir nicht über akademische Formalien, sondern über Vertrauen, Gesundheit – und ein System, das sich zu oft von Konzernen die Leitplanken malen lässt.
Der Beitrag wurde laut Global Research ursprünglich bei der Dr. Rath Health Foundation veröffentlicht.



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