Ein ehemaliger israelischer Armeeoffizier sieht die IDF laut Paul Craig Roberts am Rand des Zusammenbruchs. Was sich nach Kriegspropaganda aus dem feindlichen Lager anhört, deckt sich mit einer nüchternen militärischen Realität: Zweimal versuchte Israel, den Südlibanon zu besetzen – um an die dortigen Wasserressourcen zu gelangen –, und zweimal wurde die vielgelobte IDF von der Hisbollah-Miliz zurückgeworfen. Einer Miliz ohne Luftwaffe, ohne Panzer, ohne Artillerie.
Jetzt weiten sich die Kämpfe aus. Der Krieg mit Iran hat längst auch den Libanon erfasst, iranische Raketen durchdringen Israels und Washingtons Luftabwehr ohne großen Widerstand, und in der israelischen Bevölkerung selbst wächst der Unmut. Immer mehr Israelis bezeichnen den aktuellen Krieg als unnötigen „politischen Krieg“ – womit sie, wenn man Roberts folgt, die zionistische Agenda eines „Großen Israel“ meinen könnten, die nicht zwingend die Mehrheit der israelischen Bevölkerung trägt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Israel mobilisiert 15.000 Arbeitskräfte für seinen Kriegseinsatz, Trump schickt 15.000 Marines und Fallschirmjäger. Iran hat eine Million Soldaten mobilisiert.
Roberts – ehemaliger US-Staatssekretär unter Reagan und scharfer Kritiker der amerikanischen Außenpolitik – stellt die naheliegende Frage: Wann und wie wurde Amerika zum militärischen Werkzeug für Israels Gebietsambitionen? Die 9/11-Anschläge, so Roberts in seiner bekannt kompromisslosen Analyse, seien der inszenierte Auslöser gewesen, um in kurzer Folge sieben muslimische Länder zu destabilisieren – eine Agenda, die 4-Sterne-General Wesley Clark damals aus Pentagon-Kreisen erfuhr. Irak, Libyen, Syrien sind bereits Geschichte. Jetzt ist Iran dran. Und der ehemalige israelische Premier Bennett soll bei einem Auftritt vor amerikanischen Pro-Israel-Organisationen bereits die Türkei als nächstes Ziel ins Spiel gebracht haben.
Roberts‘ provokante These: Ein iranischer Sieg wäre für Amerika kein Desaster – sondern eine Befreiung. Befreiung von einer Politik, die amerikanisches Blut und Geld für Ziele verbraucht, die keine amerikanischen sind.
Ob man Roberts‘ Schlussfolgerungen teilt oder nicht: Die Grundfrage, die er stellt, ist legitim und in westlichen Mainstreammedien faktisch tabu – nämlich ob die außenpolitische Orientierung der USA noch irgendeinen erkennbaren Zusammenhang mit amerikanischen Interessen hat.



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