PSYCHOLOGEN-VERBAND IM REGULIERUNGSRAUSCH: WENN KINDESSCHUTZ ALS VORWAND FüR DEN GLäSERNEN BüRGER HERHALTEN MUSS ------------------------------------------------------------ Autor: Netzreporter Datum: 04.05.2026 Quelle: F-NEWS URL: https://f-news.net/psychologen-verband-im-regulierungsrausch-wenn-kindesschutz-als-vorwand-fuer-den-glaesernen-buerger-herhalten-muss/ ------------------------------------------------------------ Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat gesprochen und die Lösung für alles, was Kinder in der digitalen Welt bedroht, lautet: mehr Gesetze, mehr Kontrolle, mehr Staat. Dass dabei Fragen der Umsetzbarkeit und der Verhältnismäßigkeit großzügig ausgeklammert werden, stört den Verband offenbar wenig, wie die BDP-Pressemitteilung zeigt. Niemand bestreitet ernsthaft, dass exzessiver Social-Media-Konsum bei Kindern Probleme verursachen kann. Aber zwischen „kann schaden" und „muss verboten und überwacht werden" liegt ein erheblicher Argumentationssprung – einer, den der BDP mit bemerkenswert wenig Skepsis vollzieht. Angststörungen, Depressionen, Aufmerksamkeitsdefizite: All das wird kausal mit TikTok und Instagram verknüpft, als hätten Scheidungsfamilien, Leistungsdruck, Armut und eine zunehmend dysfunktionale Schule keinen Anteil daran. Der Algorithmus als Universaltäter – das ist bequem, weil er sich nicht wehrt und kein Wahlrecht hat. Der BDP fordert verpflichtende Altersverifikation – „datenschutzkonform", versteht sich. Wer auch nur gelegentlich verfolgt, wie Altersverifikationssysteme in der Praxis funktionieren, weiß: Entweder sind sie leicht zu umgehen, oder sie erfordern die Preisgabe sensibler Identitätsdaten. Ein 14-Jähriger, der wirklich auf TikTok will, ist mit dem Personalausweis seiner Mutter in drei Minuten drin. Die einzigen, die zuverlässig erfasst werden, sind die braven Nutzer – also genau jene, die ohnehin kein Problem darstellen. Das Ergebnis: eine Datenbank mit Identitätsnachweisen von Millionen Menschen, verwaltet von Plattformen, deren Datenschutzbilanz bekannt ist. Noch aufschlussreicher ist die Forderung nach verpflichtender Algorithmen-Offenlegung gegenüber Aufsichtsbehörden und Forschungseinrichtungen. Im Prinzip klingt Transparenz gut. In der Praxis bedeutet das: Der Staat bekommt Einblick in die technische Funktionsweise privater Kommunikationsplattformen – und damit potenziell die Werkzeuge, um zu verstehen, wie Meinungsbildung im Netz funktioniert. Wer glaubt, dieses Wissen bliebe auf den Jugendschutz beschränkt, ist entweder naiv oder hat die letzten zwanzig Jahre europäischer Überwachungsgesetzgebung verschlafen. Das Smartphone-Verbot an Schulen bis zur zehnten Klasse klingt nach dem handfestesten Vorschlag – und ist tatsächlich der einzige, der ohne umfangreiche Datenerhebung auskommt. Dass Schleswig-Holstein und einige andere Länder diesen Weg bereits gehen, zeigt: Es ist machbar, ohne Orwellsches Beiwerk. Frankreich hat es getan. Die Welt ist nicht untergegangen. Aber selbst hier gilt: Ein Schulverbot löst das Problem für sieben Stunden am Tag. Was danach passiert, entscheidet sich zu Hause – und da hat der Staat bekanntermaßen Grenzen, die er im Zweifel durch noch mehr Regulierung zu überwinden versucht. Was der BDP als Kindesschutzpaket verkauft, folgt einer Logik, die in der Gesundheits- und Digitalpolitik inzwischen Methode hat: Ein reales Problem wird so lange dramatisiert, bis der Ruf nach staatlichem Eingreifen alternativlos erscheint. Dass dabei Grundrechte – Informationsfreiheit, Datenschutz, elterliche Erziehungsautonomie – unter die Räder kommen könnten, wird in Fußnoten versteckt. Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen wollen, kommen in der BDP-Resolution als Zielgruppe staatlicher Unterstützungsmaßnahmen vor – nicht als souveräne Entscheidungsträger. Die unbequeme Frage, die der Verband nicht stellt: Cui bono? Wer profitiert von einer Infrastruktur zur flächendeckenden Altersverifikation, von Algorithmen-Datenbanken beim Staat, von digitalem Identitätsnachweis als Voraussetzung für Internetnutzung? Nicht die Kinder. ------------------------------------------------------------ Dieser Artikel wurde zuerst auf F-NEWS veröffentlicht. Zweitveröffentlichung ist bei Verlinkung zur Originalquelle in unveränderter Form gestattet. Originalquelle: https://f-news.net/psychologen-verband-im-regulierungsrausch-wenn-kindesschutz-als-vorwand-fuer-den-glaesernen-buerger-herhalten-muss/