Nach der Auszählung von über 60 Prozent der Stimmen bei der heutigen Parlamentswahl in Ungarn zeichnet sich ein historischer Machtwechsel ab. Péter Magyars Oppositionspartei Tisza liegt laut aktuellen Hochrechnungen mit 136 Sitzen deutlich vor Viktor Orbáns Fidesz, die auf lediglich 56 Sitze kommt – und das mit einer Zweidrittelmehrheit, die Magyar freie Hand für Verfassungsänderungen geben würde.
Orbán hat die Niederlage eingestanden und Magyar zum Wahlsieg gratuliert. Zuvor war es auf beiden Seiten zu hitzigen Anschuldigungen gekommen. Die Parteien beschuldigten sich gegenseitig, im Falle einer Niederlage einen Bürgerkrieg zu planen, über Magyar kursierten absurde Behauptungen, er habe u.a. einen Hund in der Mikrowelle gekocht, die jeder Grundlage entbehrten. Magyar selbst hatte von Erpressungsversuchen mit gefakten Sexvideos gesprochen und sogar mit einem Drogentest die Anschuldigungen widerlegt, er sei abhängig.
Alle Einmischungsversuche aus den USA sind fehlgeschlagen. Weder Trump noch Vizepräsident Vance konnten Wähler für Orban mobilisieren. In Brüssel dürfte man jetzt vorerst aufatmen, hatte man sich doch jahrelang an den Ungarn die Zähne ausgebissen, die trotz aller Maßnahmen der EU an Orban festhielten. Die Einmischung schlug bislang genauso fehl, wie die behauptete Einflußnahme aus Russland.
Magyar, das hat er vorher klar gemacht, plant außenpolitisch keine Experimente, sondern will den Kurs seines früheren Parteigenossen fortführen und keine Ungarn als Soldaten in die Ukraine schicken. Wenn die junge Generation heute auf Magyar gesetzt hat, wie damals ihre Eltern und Großeltern auf den jungen Orban, dann hat das vielleicht andere Gründe, als Einmischung aus Brüssel. Orban steht innenpolitisch für Stillstand, Korruption, marode Sozialsysteme und Perspektivlosigkeit der Jugend. Darauf hat er keine Antworten liefern können. Nun ist Magyar gefragt!






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