Es gibt politische Ideen, bei denen man erst prüft, ob der Kalender zufällig auf den 1. April gesprungen ist. In Oklahoma sollte die sogenannte „natural organic reduction“ legalisiert werden, also die beschleunigte Umwandlung menschlicher Überreste in Erde. Der Daily Caller sprach entsprechend drastisch davon, Tote in „actual fertilizer“ zu verwandeln.
Der Vorgang ist weniger Science-Fiction als Zeitgeist. Der Körper wird dabei mit organischem Material wie Holzspänen oder Stroh in einen Behälter gegeben und durch Mikroben zersetzt. Befürworter nennen das ökologisch, individuell und modern. Kritiker sehen darin den nächsten Schritt einer Kultur, die selbst am Grab noch nach Klimabilanz und Verwertungspotenzial fragt.
Im März hatte das Repräsentantenhaus von Oklahoma die Vorlage vorangebracht. Nach späteren Berichten wurde sie vom Parlament tatsächlich gebilligt. Gouverneur Kevin Stitt stoppte das Vorhaben jedoch per Veto. Der öffentlich-rechtliche Sender KOSU berichtete, Stitt habe gewarnt, der Gesetzentwurf bewege sich zu weit in Richtung einer Behandlung des menschlichen Körpers als Material, das weiterverwendet werde, statt als sterbliche Überreste, die ehrfürchtig zur Ruhe gelegt werden.
Wenn Würde zur Recyclingfrage wird
Genau hier liegt der Kern. Natürlich kann man über Bestattungsformen sprechen. Feuerbestattung, Erdbestattung, Naturfriedhöfe, Seebestattung: Gesellschaften haben sich immer verändert. Aber der Mensch ist nicht einfach Biomasse mit Verwaltungsnummer. Wer den Tod nur noch als Materialstrom betrachtet, landet sehr schnell in einer Sprache, in der aus Verstorbenen „Ressourcen“ werden.
Die Befürworter verweisen auf persönliche Freiheit. Doch auffällig ist, wie oft solche Debatten im grünen Vokabular geführt werden: nachhaltig, ressourcenschonend, klimafreundlich, platzsparend. Am Ende scheint selbst der letzte Weg des Menschen noch unter eine ökologische Optimierungsrechnung zu fallen. Der Friedhof wird zum Kompostkreislauf, die Trauer zur CO2-Frage.
Das Veto aus Oklahoma verhindert vorerst, dass der Bundesstaat diese Linie überschreitet. Aber die Debatte ist nicht vorbei. In mehreren US-Bundesstaaten ist die Methode bereits erlaubt oder politisch diskutiert. Der Zeitgeist ist stark: Alles soll verwertbar sein, alles soll effizient sein, alles soll in irgendeinen moralisch grünen Kreislauf passen.
Vielleicht braucht eine zivilisierte Gesellschaft aber gerade am Lebensende Grenzen. Nicht alles, was technisch möglich ist, muss auch gesetzlich geadelt werden. Und nicht jede „grüne“ Idee wird dadurch würdevoll, dass man sie mit einem lateinisch klingenden Verwaltungsbegriff versieht.






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