Wien. Seit Samstagfrüh eskaliert die Lage im Nahen Osten weiter. Raketen, Luftangriffe, gesperrte Lufträume. Jetzt erst melden sich Bundeskanzler, Vizekanzler und Außenministerin mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort – und beschwören Sicherheit, Stabilität und „vorausschauendes Handeln“.
Im Außenministerium läuft seit Samstag ein Krisenstab auf Hochtouren. Mehrmals täglich Lagebesprechung. Im Fokus: 18.000 Österreicher in der Region. Botschaften informieren, betreuen, organisieren Ausreisen – soweit das bei gesperrten Flughäfen überhaupt möglich ist.
Am Mittwoch soll der erste Rückholflug aus dem Oman starten. Mehr als 170 Staatsbürger werden laut Regierung ausgeflogen. Weitere Evakuierungen laufen über Jordanien in Kooperation mit EU-Partnern. 13 Personen schafften es am Sonntag noch auf einen AUA-Flug. Seit Montag werden Busse organisiert, damit Österreicher die Vereinigten Arabischen Emirate über Land verlassen können. Weitere Optionen Richtung Maskat und Riad sind „in Vorbereitung“.
Christian Stocker spricht Klartext – zumindest rhetorisch. Die Eskalation zeige „wie ernst die Bedrohung durch das Regime in Teheran ist“. Für Israel. Für die Region. Und „auch für uns in Österreich“. Man handle entschlossen, habe Sicherheitsmaßnahmen im Inland verstärkt und stehe in engem Austausch mit Partnern.
Heißt konkret: Schutz von gefährdeten Einrichtungen und diplomatischen Vertretungen wird hochgefahren. Auch mögliche neue Fluchtbewegungen werden beobachtet. Offiziell gibt es „keine Auffälligkeiten“.
Vizekanzler Andreas Babler schlägt einen anderen Ton an. Er warnt vor steigenden Energiepreisen und fordert einen raschen Energiekrisenmechanismus. Man müsse aus der Vergangenheit lernen. Gleichzeitig pocht er auf Deeskalation und das Völkerrecht als „Kompass“.
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger betont die organisatorische Mammutaufgabe. Luftraumsperren, angespannte Sicherheitslage, komplizierte Ausreisen. Trotzdem werde „unter Hochdruck“ gearbeitet. Ziel sei eine schnelle Deeskalation, um einen Flächenbrand zu verhindern.
Die Regierung versucht vor allem eines zu vermitteln: Kontrolle. Die Energieversorgung sei gesichert, Speicher gut gefüllt, keine Abhängigkeit vom Iran. Eine Botschaft, die beruhigen soll – in Zeiten, in denen geopolitische Schocks schnell auf der Stromrechnung landen.
Doch die Realität bleibt: Der Nahe Osten brennt wieder – und Europa steht einmal mehr am Rand und hofft, dass es nicht direkt getroffen wird. Worte sind schnell gesprochen. Ob sie auch tragen, wird sich zeigen.




Schreibe einen Kommentar