Der Krieg frisst Geld – und der Staat kassiert. In Russland steigt die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent. Offiziell geht es um den Haushalt, faktisch um die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine. Umgerechnet sollen rund 13 Milliarden Euro zusätzlich allein in diesem Jahr in die Kassen des Staates fließen. Bezahlen müssen es die Bürger – an der Supermarktkasse.

Doch so paradox es klingt: Trotz Steuererhöhung bleibt normalen Russen vom Lohn deutlich mehr übrig als deutschen Arbeitnehmern.

Während der Kreml die Mehrwertsteuer anhebt, bleibt das russische Lohnsteuersystem vergleichsweise simpel – und für Arbeitnehmer günstig. Wer in Russland arbeitet, zahlt pauschal 13 Prozent Einkommensteuer. Sozialabgaben? Die werden fast vollständig vom Arbeitgeber getragen. Für den Beschäftigten heißt das: Rund 87 Prozent des Bruttolohns bleiben netto, bevor überhaupt konsumiert wird.

Ganz anders die Lage in Deutschland. Hier greift der Staat gleich mehrfach zu. Lohnsteuer, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung – schon auf dem Gehaltszettel verschwindet ein Großteil des Einkommens. Laut internationalen Vergleichen liegt die Abgabenlast für Durchschnittsverdiener bei rund 47 bis 50 Prozent der Arbeitskosten. Für viele Arbeitnehmer bleibt kaum mehr als die Hälfte des Bruttolohns nettoübrig.

Und dann kommt erst der Einkauf.

In Russland schlagen auf Konsumgüter nun 22 Prozent Mehrwertsteuer auf. In Deutschland sind es 19 Prozent, für manche Waren 7 Prozent. Doch der entscheidende Punkt bleibt: Die Mehrwertsteuer wird nur auf das erhoben, was man ausgeben kann. Wer vorher schon ausgepresst wurde, merkt jeden Prozentpunkt doppelt.

Der Vergleich ist bitter: Während Moskau offen zugibt, dass höhere Steuern zur Kriegsfinanzierung dienen, nennt Berlin seine Abgaben „Sozialstaat“, „Solidarität“ oder „Transformation“. Das Ergebnis ist dennoch eindeutig: Der deutsche Staat kassiert seine Bürger härter ab als Russland – selbst im Krieg.

Deutschland gehört seit Jahren zu den Ländern mit der höchsten Abgabenlast auf Arbeitseinkommen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung fließt ein deutlich größerer Anteil an den Staat als in Russland. Für normale Arbeitnehmer heißt das: weniger Netto, weniger Spielraum, mehr Abhängigkeit.

Der russische Staat bittet seine Bürger zur Kasse – der deutsche tut es seit Jahrzehnten in verschärfter Form. Der Unterschied: In Russland sieht man es auf der Rechnung. In Deutschland merkt man es erst, wenn am Monatsende nichts mehr übrig bleibt.

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