Maxwell-Deal im Kongress: Freiheit für Schweigen über Epstein?

Von Netzreporter — 24.04.2026 — Quelle: F-NEWS

Einige republikanische Mitglieder des US-Repräsentantenhauses spielen offen mit dem Gedanken, Donald Trump zu einer Begnadigung der verurteilten Kinderhändlerin Ghislaine Maxwell zu drängen — im Tausch gegen ihre Aussage im Epstein-Untersuchungsausschuss, wie Reuters berichtet.

Ausschussvorsitzender James Comer (R-Kentucky) räumte gegenüber Politico ein, sein Ausschuss sei in der Frage gespalten, und „viele Leute“ in seiner Fraktion sähen in einem solchen Handel einen sinnvollen Schritt. Gleichzeitig distanzierte Comer sich persönlich: „Ich bin nicht offen für eine Begnadigung von Ghislaine Maxwell“, schrieb er anschließend auf X — und warf Politico vor, sein vollständiges Statement bewusst weggelassen zu haben.

Das ändert nichts an dem, was zwischen den Zeilen steht. Maxwell hatte im Februar vor dem Ausschuss per Video zugeschaltet, sich auf den Fünften Zusatzartikel berufen und jede inhaltliche Antwort verweigert. Ihr Anwalt David Oscar Markus ließ derweil keinen Zweifel an der Strategie: Er erklärte, er glaube, es gebe „eine gute Chance“ auf eine Begnadigung — und Maxwell allein könne erklären, warum sowohl Trump als auch Ex-Präsident Clinton „unschuldig an jeglichem Fehlverhalten“ seien.

Das klingt weniger nach Aufklärung als nach einem sorgfältig plazierten Schutzversprechen. Nach ihrer zweitägigen Befragung durch den damaligen Vize-Justizminister Todd Blanche — Trumps früheren Privatanwalt — wurde Maxwell umgehend in ein Mindestschutzzentrum in Texas verlegt. Demokraten sprachen damals von einem Kuhhandel.

Nun taucht der nächste Baustein auf: Maxwell schickte Mitte April per FedEx einen USB-Stick mit neuen Eingaben an Bundesstaatsanwälte in New York und beantragt erneut die Aufhebung ihrer Verurteilung. Kurz darauf wird öffentlich bekannt, dass Teile des Ausschusses eine Begnadigung erwägen. Zufall?

Auch aus den eigenen Reihen kommt Gegenwind. Die frühere republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene zeigte sich auf X bestürzt über ihre ehemaligen Parteikollegen im Ausschuss: Die Epstein-Überlebenden seien strikt gegen eine Begnadigung, da Maxwell neben Epstein eine ihrer Haupttäterinnen gewesen sei — und als notorische Lügnerin gelte. Eine Begnadigung durch Trump schaffe zudem ein klassisches Quid-pro-quo: Maxwell stehe dann in seiner Schuld und werde lügen, um wen immer er schützen wolle. Statt Deals fordert Greene, dass das DOJ und lokale Staatsanwälte endlich die mächtigen Eliten strafrechtlich verfolgen, die diese Frauen als Teenager missbraucht und gehandelt haben.

Demokraten lehnen das geschlossen ab. Ranking-Member Robert Garcia nannte die Überlegungen „empörend“ und sagte, Maxwell habe die Vergewaltigung von Frauen und Kindern ermöglicht. Rep. James Walkinshaw schrieb schlicht: „Hell no. Es ist erschreckend, dass das überhaupt diskutiert wird.“

Maxwell sitzt seit 2022 eine 20-jährige Haftstrafe wegen Menschenhandels mit Minderjährigen ab. Der Oberste Gerichtshof lehnte im Oktober 2025 ihre Revision ab. Was bleibt, ist das Gnadenrecht des Präsidenten — und ein Kongress, der darüber öffentlich nachdenkt, eine rechtskräftig verurteilte Kinderhändlerin freizulassen, solange sie Trump von jeder Verstrickung freispricht.

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