Mit 74 Jahren und dem politischen Riecher eines Kandidaten, der schon seinen eigenen Abgang ankündigte, greift Wolfgang Kubicki nun nach dem Parteivorsitz der FDP. Sein Rezept gegen den Niedergang: Frauen. Viele Frauen. Ausgesuchte Frauen. Laut n-tv sollen Linda Teuteberg, Katja Suding, Maria Westphal und Susanne Seehofer das neue Gesicht der Liberalen werden — zusammengestellt von einem Mann, der selbst zugegeben hat: „Dass ich nicht die Zukunft der Partei bin, das weiß ich selbst.“ Das war 2025. Heute sieht er das natürlich anders.
Der Vivisektor ist zurück. Kubicki seziert die halbtote FDP am lebenden Leib, legt sie auf den Operationstisch und greift zum Skalpell der PR-Strategie: Warum inhaltlich erneuern, wenn man auch einfach ein paar bekannte Frauennamen aufzählen kann? „Dann erledigt sich auch das Gerede von den alten weißen Männern“, sagt Kubicki — und beweist dabei, dass er das Problem offenbar selbst erkannt hat, nur nicht, dass er Teil davon ist.
Die Liberalen siechen seit dem Bruch der Ampelkoalition dahin. Kein Bundestag, kein Stammland, keine Zukunft: Die FDP scheiterte im März 2026 erstmals in Baden-Württemberg an der Fünfprozenthürde und halbierte ihr Ergebnis. Bundesweit liegen die Liberalen in Umfragen bei drei Prozent, und nach den jüngsten Wahlschlappen sind sie nur noch in sechs von 16 Landtagen vertreten.
Kubickis Reaktion darauf: Er bietet dem Parteitag im Mai ein „Angebot“ an, bei dem er alles tun werde, um die Partei zu retten. Was dieses Angebot konkret enthält, bleibt nebulös — außer eben der Frauenliste. Katja Suding, die 2021 aus der aktiven Bundespolitik ausgeschieden war, will er zurückgewinnen — er hoffe, sie „endgültig überzeugen“ zu können. Eine Partei, die Leute zurückholen muss, die längst das Handtuch geworfen haben, nennt das einen Neuanfang.
Kubicki sieht die Aussichten für die Herbstwahlen selbst so düster, dass er sich auf eine riskante Wette einließ: „Wenn die FDP in Sachsen-Anhalt oder anderswo im Osten über fünf Prozent kommt und in den Landtag einzieht, lasse ich mir die Haare abschneiden.“ Das ist weniger politisches Selbstbewusstsein als öffentlich vollzogene Kapitulation — verkleidet als Humor.
Derselbe Mann hatte im Dezember 2024, nach dem Ampel-Bruch, prophezeit: „Wir werden zweistellig.“ Es wurden 4,3 Prozent. Wer so falsch liegt, sollte vielleicht nicht zum Chefprognosen-Ersteller befördert werden — geschweige denn zum Parteichef.
Selbst aus dem eigenen Lager heißt es: Kubicki sei „nicht die langfristige Zukunft, aber aktuell der beste, der der Partei eine Zukunft hinterlassen könne.“ Das ist das politische Äquivalent von „er ist zwar kein guter Arzt, aber der einzige, der noch da ist.“
Die FDP ist kein Einzelfall. Sie ist das Musterbeispiel einer politischen Gattung, die sich überlebt hat: Klientelparteien der gehobenen Mittelschicht, die zwischen Wirtschaftsliberalismus und moralischem Anspruch zerrieben wurden, bis nichts mehr übrig blieb als leere Rhetorik und interne Machtspiele.
Kubicki als Vivisektor seiner eigenen Partei ist dabei das perfekte Symbol: Er schneidet auf, schaut rein, nennt Diagnosen — und kann doch nichts heilen. Die FDP liegt auf dem Seziertisch der Geschichte, und ihr letzter Operateur ist ein 74-Jähriger, der sich vor einem Jahr noch selbst verabschiedet hatte.
Parteien, die mit Prozentsätzen im Dreikommabereich auf ihre Wiedergeburt warten, während ein ehemaliger Noch-Pensionär Frauen-Casting betreibt, haben keine politische Zukunft mehr. Sie haben eine Vergangenheit — und einen sehr langen Nachruf.
Dieser Artikel wurde zuerst auf F-NEWS veröffentlicht.
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