Der Winter 2025/26 liefert ein weiteres Beispiel dafür, wie groß die Kluft zwischen öffentlicher Wahrnehmung, medialer Darstellung und messbarer Realität inzwischen geworden ist. Während vielerorts von außergewöhnlichen Entwicklungen und dramatischen Klimafolgen die Rede ist, zeigen die nüchternen Daten ein deutlich differenzierteres Bild. Tatsächlich wurde der Winter vom Deutschen Wetterdienst insgesamt als leicht zu kalt eingeordnet – allerdings relativ zu einem statistischen Mittelwert, der die regionalen Unterschiede kaum widerspiegelt.
Denn während der Nordosten Deutschlands durch kalte Luftmassen aus Skandinavien geprägt war und unterdurchschnittliche Temperaturen verzeichnete, lagen die Werte im Südwesten teilweise deutlich darüber. In Berlin und Brandenburg war es im Schnitt 1,3 Grad kälter, während das Saarland rund 2 Grad wärmer ausfiel. Diese Gegensätze zeigen, wie wenig aussagekräftig pauschale Durchschnittswerte im konkreten Alltag sind.
Auch beim Niederschlag ergibt sich kein außergewöhnliches Bild. Mit etwa 135 Millimetern lag er zwar unter dem Durchschnitt, bewegt sich jedoch im Rahmen der natürlichen Schwankungen der letzten Jahrzehnte. Tatsächlich gab es zahlreiche Jahre, die deutlich trockener waren. Ein langfristiger Trend ist hier nicht erkennbar – im Gegensatz zu den Temperaturen, die seit den 1970er Jahren um über zwei Grad gestiegen sind.
Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, wie belastbar die Grundlage für weitreichende politische Entscheidungen ist. Während sich das Klima in Europa laut Darstellung nur moderat verändert, werden in Deutschland tiefgreifende Maßnahmen umgesetzt – von der Energiepolitik bis hin zum Umbau ganzer Industriezweige.
Besonders deutlich wird dies im Energiesektor. Trotz eines massiven Ausbaus von Wind- und Solaranlagen blieb Deutschland im Winter 2025/26 weiterhin stark von konventionellen Energiequellen abhängig. Mehr als die Hälfte des Stroms wurde durch Kohlenstoffverbrennung erzeugt, während Windkraft zwar einen relevanten Anteil lieferte, aber weit hinter ihrer theoretischen Leistung blieb. Photovoltaik spielte in den Wintermonaten naturgemäß nur eine geringe Rolle.
Hinzu kommt die Problematik der Versorgungssicherheit. Sinkende Füllstände der Gasspeicher im Winter sowie wetterbedingte Schwankungen bei der Stromerzeugung zeigen, dass die Energieversorgung weiterhin stark von äußeren Faktoren abhängig ist. In Phasen geringer Windleistung müssen konventionelle Kraftwerke einspringen, während bei zu hoher Einspeisung sogar Abschaltungen notwendig werden, um das Netz zu stabilisieren.
Unterm Strich ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Einerseits wird der Umbau des Energiesystems als klimapolitischer Fortschritt präsentiert, andererseits bleibt die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bestehen. Auch beim CO₂-Ausstoß zeigt sich, dass Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin hohe Werte aufweist, insbesondere gegenüber Ländern mit starkem Fokus auf Kernenergie.
Der Winter 2025/26 ist damit weniger ein Beleg für außergewöhnliche Entwicklungen als vielmehr ein Beispiel für die Komplexität von Klima und Energieversorgung – und für die Frage, ob politische Maßnahmen und öffentliche Darstellung dieser Komplexität tatsächlich gerecht werden.
Quelle: Klimaschau 254 – „Kaltes Winterwetter 2025/26 – nur Wahrnehmung, oder wie immer?“ (YouTube)



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