In einem aktuellen Video stellt der anthroposophische Lehrer Axel Burkart eine Frage, die weit über religiöse Symbolik hinausgeht: Ist das Böse inzwischen zu mächtig geworden? Seine Antwort fällt klar aus – nicht durch einen plötzlichen Machtzuwachs dunkler Kräfte, sondern erinnert an einen schleichenden Prozess, den die Menschheit selbst zugelassen habe. Grundlage seiner Ausführungen sind Aussagen der Anthroposophie und insbesondere die Lehren von Rudolf Steiner, auf die Burkart mehrfach Bezug nimmt .

Nach Burkarts Darstellung hätten luziferische und ahrimanische Kräfte längst Grenzen überschritten – nicht aus eigener Allmacht, sondern weil der Mensch ihnen Wirkungsspielräume eröffne. Diese Wesenheiten könnten ausschließlich durch den Menschen handeln. Verantwortung wird damit radikal zurückverlagert: Nicht „dämonische Mächte“ regieren die Welt, sondern menschliche Entscheidungen, Denkweisen und moralische Nachlässigkeit.

Besonders brisant ist Burkarts Deutung des modernen Rationalismus. Ahriman stehe für ein kaltes, rein intellektuelles Denken, das sich vom Geistigen gelöst habe. Technik, Materialismus und Machtkonzentration seien nicht per se böse, würden jedoch gefährlich, sobald sie sich absolut setzen. Der Materialismus sei nur dort berechtigt, wo es tatsächlich um Materie gehe – in der Physik etwa. Sobald er jedoch auf geistig-seelische Ebenen übertragen werde, verkomme er zur Illusion.

Für Aufsehen sorgt auch Burkarts vorsichtige Einordnung moderner Machtfiguren. Ohne Namen vorschnell festzuschreiben, beschreibt er technologische Strategen mit enormem Einfluss als potenzielle Träger ahrimanischer Prinzipien – allerdings mit deutlicher Warnung vor vorschnellen Zuschreibungen. Entscheidend sei nicht Genialität oder wirtschaftlicher Erfolg, sondern ob der freie Geist erhalten bleibe oder dem reinen Macht- und Kontrollstreben geopfert werde.

Auf die Frage, ob man sich gegen das Böse bewaffnen müsse, erteilt Burkart jeder militärischen oder repressiven Logik eine Absage. Gegen das Böse helfe ausschließlich Wahrheit, Wahrhaftigkeit und moralische Selbstverantwortung. Lüge könne nicht bekämpft, sondern nur durch Wahrheit überwunden werden. Auch göttliche oder geistige Wesen wie Michael griffen nicht ein – sie respektierten die Freiheit des Menschen selbst dann, wenn diese Freiheit missbraucht werde.

Burkarts Schlussfolgerung ist unbequem: Wer auf äußere Retter hofft, verkennt das Problem. Der Kampf gegen das Böse ist kein geopolitischer, sondern ein innerer. Er beginnt beim eigenen Denken, beim eigenen Willen – und bei der Weigerung, Verantwortung an Systeme, Ideologien oder vermeintliche Autoritäten auszulagern.

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