Handyverbot für Abgeordnete: Wer seinen Signal-PIN an Russland verschenkt, soll Teenagern Social Media verbieten?

Von Netzreporter — 07.05.2026 — Quelle: F-NEWS

Russische Geheimdienste greifen Signal-Accounts von Bundestagsabgeordneten, Journalisten und Militärangehörigen ab – und die Methode ist so simpel, dass man sich fremdschämen möchte, wie der Digitalausschuss des Bundestages am Mittwoch einräumen musste. Keine Schadsoftware, kein technischer Aufwand, kein Meisterhack aus dem Moskauer Geheimdienstkeller. Jemand hat einfach eine Nachricht geschickt. Und hochrangige Politiker, Beamte und Uniformträger haben ihren PIN herausgerückt. Fertig.

Man lasse das kurz sacken.

Dieselben Damen und Herren, die in Talkshows und Plenardebatten unermüdlich fordern, Jugendlichen den Zugang zu TikTok, Instagram und anderen Plattformen zu sperren, weil die Kleinen ja noch nicht reif genug für die digitale Welt seien – diese Legislativelite ist nicht in der Lage, eine offensichtliche Phishing-Nachricht von einer legitimen zu unterscheiden. Ein Vierzehnjähriger, der täglich Fake-Gewinnspiele und Abo-Fallen in seinen Feeds navigiert, hätte den Angriff wahrscheinlich mit einem müden Augenrollen weggeklickt. Der Abgeordnete hat den PIN getippt.

Das BSI beeilte sich zu versichern, Signal sei eine sichere App. Das stimmt. Das Problem sitzt bekanntlich vor dem Bildschirm. Künftig soll ein automatischer Warnhinweis erscheinen, sobald jemand aufgefordert wird, seinen Zugangscode weiterzugeben. Eine Funktion, die man gemeinhin als «gesunden Menschenverstand» bezeichnen würde – der jetzt offenbar softwareseitig nachgerüstet werden muss, weil die Fleisch-und-Blut-Variante in der Parlamentspraxis nicht zuverlässig genug funktioniert.

Der BfV-Vertreter sprach von einer «Balance zwischen Warnung und Panikvermeidung». Gemeint ist wohl: Wir wollen nicht zu laut sagen, wie es wirklich war. Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit Februar wegen Spionageverdachts, die Kampagne läuft weiter, Betroffene finden sich auf Bundes- und Länderebene – und die Hauptstossstossrichtung der Ausschussdiskussion war die Frage, ob man Pflichtschulungen einführen soll. Pflichtschulungen. Für Leute, die per Gesetz die digitale Zukunft des Landes mitgestalten.

Der konsequente Vorschlag liegt auf der Hand, auch wenn ihn im Reichstag niemand laut aussprechen wird: Wer nachweislich nicht in der Lage ist, einen primitiven Social-Engineering-Angriff zu erkennen, sollte kein Dienstgerät mit Zugang zu sicherheitsrelevanter Kommunikation besitzen. Handy weg, bis die Prüfung bestanden ist. Was für den Führerschein gilt, sollte für den Zugang zu verschlüsselten Regierungskommunikationskanälen erst recht gelten.

Stattdessen darf man davon ausgehen, dass demnächst der nächste Anlauf kommt, Minderjährigen das Smartphone zu verleiden – vorgetragen von jemandem, der seinen Signal-PIN an eine unbekannte Nummer verschickt hat. Die Dreistigkeit dieser Konstellation sucht ihresgleichen.

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