Laut Medienberichten hat in Göttingen erstmals offiziell der Muezzin zum Gebet gerufen. Ein symbolischer Schritt – sagen die Befürworter. Ein politisches Signal – sagen die Kritiker.

Denn es geht nicht nur um ein paar Minuten Gesang vom Minarett. Es geht um die Frage, wem der öffentliche Raum gehört.

Kirchenglocken läuten seit Jahrhunderten. Sie sind kulturell gewachsen, historisch verankert. Der islamische Gebetsruf hingegen ist kein akustischer Zufall, sondern ein explizites Glaubensbekenntnis – inklusive der Botschaft, dass Allah größer ist. Das ist Theologie. Und Theologie wird hier über Lautsprecher in den Stadtraum getragen.

Befürworter sprechen von Religionsfreiheit. Doch Religionsfreiheit heißt nicht automatisch, dass jede religiöse Praxis in den öffentlichen Raum projiziert werden muss. Glauben ist privat geschützt – aber der öffentliche Raum ist gemeinschaftlich.

Gerade in Zeiten wachsender Spannungen wirkt der Schritt mindestens unglücklich. Viele Bürger fragen sich, ob Integration bedeutet, bestehende kulturelle Regeln zu respektieren – oder sie Stück für Stück zu verändern.

Kritik am politischen Islam ist kein Angriff auf Muslime als Menschen. Aber es ist legitim zu fragen, ob religiöse Machtsymbole im öffentlichen Raum weiter ausgedehnt werden sollten. Der Muezzin-Ruf ist nicht einfach nur Klang. Er ist ein Zeichen.

Und Zeichen wirken.

Eine säkulare Gesellschaft lebt vom Gleichgewicht. Wenn der Staat religiöse Präsenz im öffentlichen Raum ausweitet, muss er sich die Frage gefallen lassen: Wo zieht er die Grenze?

Göttingen hat sie neu verschoben. Eine Diskussion ist nötiger denn je. Lesen Sie dazu: Wenn Religion zur Mordideologie wird: Muss der Islam verboten werden?

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