Die Lobby der Digitalkonzerne ist bestens organisiert, finanziert und in den Regierungsetagen bestens vernetzt. Wer sich dagegen stellt, kämpft meist allein. Das soll sich ändern – und der Ökonom und Blogger Norbert Häring empfiehlt auf seinem Blog Geld und mehr die neue Vernetzungsplattform frei statt smart ausdrücklich weiter, an deren Konzeption er selbst beteiligt war.
Die Initiative versteht sich als Gegengewicht zu dem, was die Politik unter dem Deckmantel von Fortschritt und Effizienz vorantreibt: die schleichende Abschaffung analoger Alternativen. Ob beim Bezahlen, in der Gesundheitsversorgung oder im Schulunterricht – wer nicht mitmacht, wird zunehmend ausgegrenzt. Häring nennt das beim Namen: „Digital-only“ ist keine Verheißung, sondern eine Bedrohung für das selbstbestimmte Leben.
Der Name der Initiative ist Programm. „Smart“ – einst Synonym für clever und modern – steht laut den Initiatoren heute für etwas anderes: lückenlose Erfassung, Profilbildung, algorithmische Steuerung. Smartphones, Smarthomes, Smart Cities – all das liefert Daten an Konzerne und Behörden, die damit mehr über die Nutzer wissen als deren eigene Familie. Wer sich dieser Infrastruktur vollständig ausliefert, kann jederzeit ausgesperrt werden – aus Konten, Diensten, dem digitalen Alltag insgesamt.
Digitalfreiheit bedeutet für die Macher von freistattsmart.de nicht die Ablehnung digitaler Technik schlechthin – die Initiative selbst wäre ohne das Internet nicht möglich. Es geht um das Recht auf Wahl: bar oder digital bezahlen, anonym oder vernetzt kommunizieren, mit einem Sachbearbeiter sprechen oder ein Formular ausfüllen. Diese Wahlmöglichkeit wird in Deutschland systematisch abgebaut, und zwar nicht durch Verbote, sondern durch das Austrocknen der Alternative.
Wer sich engagieren oder vernetzen will, findet auf der Vernetzungsseite eine wachsende Übersicht bestehender Gruppen und Initiativen – regional in Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch international. Von Bargeld-Initiativen in Tübingen und Frankfurt über Bildungsnetzwerke bis hin zu Bewegungen in Schweden, Griechenland und Japan: Der Widerstand gegen den digitalen Zwang ist breiter, als es die Berichterstattung der Mainstreammedien vermuten lässt. Wer keine passende Gruppe findet, kann über die Plattform selbst Mitstreiter suchen.
Häring, der seit Jahren zu Bargeld, Überwachungskapitalismus und der Macht der Digitalkonzerne publiziert, macht keinen Hehl daraus, dass er die Initiative für überfällig hält. Die Gegenseite – Konzerne wie Google, Apple, Mastercard oder Microsoft – verfügt über gewaltige Ressourcen und direkte Drähte in Ministerien und Brüsseler Institutionen. Eine organisierte, sichtbare Gegenbewegung fehlte bislang. Frei statt smart soll diese Lücke schließen.
Quellen: Norbert Häring – Geld und mehr | frei statt smart – Vernetzen
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