Jetzt also Drohnen. Nachdem Politik und Behörden jahrelang bei realen Sicherheitsproblemen weggesehen haben, entdecken die Innenminister plötzlich ein neues Lieblingsfeindbild: Hobby- und Aufklärungsdrohnen. In internen Papieren ist dramatisch von einer „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und der Interessen des Staates“ die Rede. Klingt nach Ausnahmezustand – ist aber vor allem eines: politische Hysterie.

Ja, es gab Drohnensichtungen. Ja, auch über Flughäfen und militärischen Einrichtungen. Doch statt nüchtern zu analysieren, greifen die Innenminister reflexartig zum altbewährten Mittel: Angst erzeugen, Zuständigkeiten ausweiten, neue Dateien anlegen, neue Zentren eröffnen. Mehr Staat, mehr Überwachung, mehr Bürokratie – die Antwort ist immer dieselbe.

Besonders absurd: Erst wird ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern feierlich eröffnet, dann erklären dieselben Innenminister, das reiche alles noch nicht aus, schreibt t-online und beruft sich dabei auf die Süddeutsche. Wenn auf diese Weise abgeschrieben wird, handelt es sich stets um eine breite Kampagne zur Durchsetzung neuer Verrücktheiten und Zumutungen. Jetzt soll das Bundesinnenministerium bis Juni neue Regelungen vorlegen, dazu eine zentrale Täterdatei für Drohnenpiloten. Der Generalverdacht lässt grüßen.

Dabei bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Wo sind eigentlich die konkreten Schäden? Wo sind die Belege für gezielte Angriffe, Sabotage oder reale Bedrohungsszenarien? Stattdessen werden bloße Sichtungen aufgeblasen, Zahlen ohne Kontext präsentiert und eine „veränderte geopolitische Lage“ bemüht – das Universalargument jeder sicherheitspolitischen Panik.

Während Grenzen offen bleiben, Clankriminalität floriert und Polizei vielerorts überlastet ist, konzentriert sich die Innenministerkonferenz auf fliegende Kameras. Es wirkt wie ein Ablenkungsmanöver: lieber Technikfans und Modellflieger gängeln, als sich mit echten Problemen auseinanderzusetzen.

Unterm Strich bleibt der Eindruck: Die Drohnen sind nicht das eigentliche Problem. Die eigentliche Gefahr geht von einer Politik aus, die bei jeder Gelegenheit neue Bedrohungen erfindet, um Kontrolle auszubauen – und dabei immer weiter den Bezug zur Realität verliert.

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