Die Bundeswehr testet KI-gestützte Kamikazedrohnen gegen fahrende Kampfpanzer. Ab 2027 sollen sie zur Panzerbrigade 45 in Litauen gehören. Ein Video des offiziellen Bundeswehr-Kanals feiert die Technik als mögliche „Revolution der Kriegsführung“.
FPV-Drohnen, die Soldaten über Videobrillen steuern, seien nur der Anfang. Unbemannte Systeme würden immer schneller, weiter und intelligenter. Die Bundeswehr nennt das einen „Wettlauf mit der Zeit“. Übersetzt heißt das: Aufrüstung duldet keinen Widerspruch und keine Pause.
Die getesteten Flugkörper sollen bewegliche Panzer erkennen, verfolgen und treffen. Der Mensch erteilt den Auftrag, die Software übernimmt Suche, Navigation und Zielanflug. Vollständig autonome Tötungsentscheidungen sind das noch nicht. Der Weg dorthin wird aber bereits in einzelne, technisch harmlos klingende Schritte zerlegt.
Stationiert werden sollen die Systeme bei der Panzerbrigade 45 in Litauen. Die Brigade soll bis Ende 2027 vollständig einsatzbereit sein. Deutsche KI-Kamikazedrohnen stehen dann nicht im Versuchslabor, sondern an der Nato-Ostflanke vor Russland.
Die Militarisierung erfasst damit auch Technologien, die als ziviler Fortschritt verkauft wurden: Bilderkennung, autonome Navigation und künstliche Intelligenz. Milliarden fließen nicht in bessere Schulen, sichere Infrastruktur oder bezahlbare Energie, sondern in Maschinen, die Ziele schneller finden und vernichten.
Drohnen schützen eigene Soldaten, senken aber zugleich die politische Schwelle zum Angriff. Kein Pilot sitzt im Cockpit, kein Soldat sieht das Ziel aus der Nähe. Die Gewalt erscheint sauber, fernbedient und risikoarm. Genau das macht ihren Einsatz leichter.
Jedes neue System liefert sofort die Begründung für das nächste. KI-Zielerkennung führt zu elektronischer Abwehr, elektronische Abwehr zu autonomerer Navigation. Der Rüstungswettlauf ernährt sich selbst. Grenzen für menschliche Kontrolle, Haftung und autonome Tötungsentscheidungen bleiben hinter dem Beschaffungstempo zurück.
Das Bundeswehr-Video ist deshalb mehr als Technikwerbung. Es gewöhnt die Bevölkerung an einen Krieg, in dem Software Ziele auswählt und Soldaten nur noch auf Bildschirme blicken. Deutschlands „Kriegstüchtigkeit“ bekommt Rotoren und Algorithmen. Die offene Frage lautet nicht, was diese Waffen können, sondern warum ihre Einführung längst als alternativlos behandelt wird.


