Das Bargeld wird nicht verboten – es wird systematisch aus dem Alltag gedrängt. Während EU-Politiker und Notenbanker beteuern, der digitale Euro solle das Bargeld lediglich „ergänzen“, zeigen Gesetzesentwürfe und Praxis ein anderes Bild: Für den digitalen Euro ist eine verbindliche Annahmepflicht vorgesehen, für Bargeld nicht. Händler dürfen weiterhin Barzahlung verweigern, Behörden und Verkehrsbetriebe ziehen nach. Das Ergebnis ist absehbar: Wer bar zahlen will, steht immer öfter vor verschlossenen Türen.

Seit 2021 läuft das Projekt „Digitaler Euro“, die nächste Phase bereitet die Einführung für 2029 vor. Parallel dazu bleibt Bargeld rechtlich weich formuliert. Genau diese Schieflage sorgt dafür, dass Bargeld Schritt für Schritt an Bedeutung verliert. Was offiziell als „Wahlfreiheit“ verkauft wird, ist in der Realität ein Zwang zur Karte und zum digitalen Bezahlen.

Besonders brisant ist das offene Eingeständnis der Notenbanken: Die Zukunft des Bargelds hängt von der Nachfrage ab. Sinkt die Barzahlungsquote, wird die Infrastruktur – Geldautomaten, Bargeldlogistik, Annahmestellen – als zu teuer erklärt und eingestellt. Die Politik kann sich dann bequem zurücklehnen und sagen: Der Bürger habe sich eben dagegen entschieden. Dass diese Entscheidung zuvor künstlich herbeigeführt wurde, wird verschwiegen.

Beruhigt werden die Bürger mit Aussagen von Christine Lagarde, der digitale Euro werde das Bargeld nicht ersetzen. Gleichzeitig wird das neue digitale Zahlungsmittel rechtlich privilegiert, während Bargeld zur Option zweiter Klasse degradiert wird. Ergänzung sieht anders aus – Gleichstellung wäre nötig, doch genau die fehlt.

Die sozialen Folgen sind absehbar. Millionen Menschen sind auf Bargeld angewiesen: ältere Bürger, Kinder, Menschen mit Behinderungen oder ohne digitalen Zugang. Länder wie Norwegen haben deshalb eine Bargeldannahmepflicht eingeführt. In Deutschland hingegen zählt die Vertragsfreiheit der Wirtschaft mehr als das Recht auf Teilhabe. Wer nicht digital zahlen kann oder will, soll sich eben „einen anderen Anbieter suchen“.

Im EU-Parlament wird derweil beschwichtigt. Es heißt, niemand wolle Bargeld abschaffen. Doch wenn Händler Bargeld ablehnen dürfen, staatliche Stellen es nicht mehr annehmen und der digitale Euro verpflichtend wird, ist das Ergebnis klar. Initiativen wie die von Hansjörg Stützle warnen seit Jahren: Ohne gesetzliche Annahmepflicht hat Bargeld keine Zukunft.

Die Abschaffung kommt nicht mit einem Knall, sondern mit einem Achselzucken. Bequemlichkeit der Verbraucher und Kontrollstreben der Politik erledigen den Rest. Wer das Bargeld erhalten will, muss es nutzen – und den politischen Druck erhöhen. Sonst bleibt am Ende nur noch ein vollständig kontrollierbares, digitales Geldsystem ohne echte Wahlfreiheit.


Quelle: Kla.TV, Medienkommentar vom 03.01.2026 („Kontrollstreben und Bequemlichkeit sind der Untergang des Bargelds! Wer kann es retten?“)

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